Erste Schritte in hybriden Veranstaltungsformaten

Hybride Veranstaltungsformate zeichnen sich durch eine innovative Verbindung von analogen Vor-Ort – sowie digitalen Online-Veranstaltungen aus. Hier geht es in erster Linie darum, den Online-Teilnehmer*innen nicht nur ein Bild der analogen Vor-Ort Situation durch einen Livestream oder einen Twitter-Hashtag zu bieten, sondern um eine qualitativ hochwertige Teilhabe inklusive des sozialen Zugehörigkeitsgefühls. Sie sind nicht nur Zuschauer*innen, sondern aktive Besucher*innen der Veranstaltung mit möglichst den gleichen kommunikativen Optionen der Vor-Ort Teilnehmer*innen.

Einen ersten Versuch des Fachbereichs Erwachsenenbildung und Familienbildung, ein solch neuartiges Konzept in die Praxis umzusetzen, stellt smartphone-entdecken.de dar, ein Medienkompetenzprogramm für Menschen ab 55 Jahren, das 2019 in den sechs Projektregionen der Evangelischen Dekanate Bergstraße, Vogelsberg, Nassauer-Land, Dreieich und Alsfeld sowie des Seniorenreferates der Evangelischen Kirche in Kassel stattfand. Konkret geht es in diesem Projekt um die Auseinandersetzung mit Themen aus der digitalen Gesellschaft anhand der eigenen Smartphonenutzung. Das Konzept des Projektes sieht vor, dass die Wissensaneignung für die Teilnehmer*innenauf mehreren Ebenen ermöglicht wird, nämlich über:

  1. Veranstaltungen vor Ort
  2. Eine Projekt-Website
  3. Eine Online-Phase mit Webinaren
  4. Veranstaltungen vor Ort

Das Konzept der hybriden Formate kam vor allem in den Veranstaltungen vor Ort, aber auch in der Webinarphase zum Einsatz.

Das technische Setting der Vor-Ort Veranstaltungen

Die ersten Angebote vor Ort fanden in Gemeindehäusern der Projektregionen statt und wurden im Schnitt von 40-60 Personen besucht. Die Grundidee war, dass einerseits der vortragende Referent nicht für 1 Stunde aus Berlin anreisen- sondern über eine Videokonferenzlösung (Zoom.us) in Erscheinung treten sollte. Auf der anderen Seite wurde die Möglichkeit genutzt, die gesamte Veranstaltung über die Software nach außen zu öffnen, damit die Personen, denen der Weg zu weit war oder die aus anderen Gründen nicht kommen konnten, eine Chance der Teilhabe hatten. Die gesamte Veranstaltung wurde zusätzlich aufgezeichnet, so dass die Inhalte auch nachhaltig zur Verfügung stehen würden. An einer zentralen Stelle wurde eine Leinwand mit einem Video-Beamer aufgebaut, sowie eine kleine Lautsprechanlage, die mit einem Computer verbunden war. So wurde es den Teilnehmer*innen vor Ort ermöglicht, die Personen, die über die Videokonferenzsoftware Zoom zugeschaltet waren, zu sehen und zu hören.

Damit aber auch wirklich ein Dialog zu Stande kommen konnte, musste es technisch gewährleistet werden, dass die online-Teilnehmer*innen die Personen im Raum hören und sehen konnten. Hierzu wurden eine PTZ (pan, tilt and zoom) Kamera und zwei Funkmikrofone (über ein USB-Audiointerface) an den Computer angeschlossen, was es ermöglichte, im analogen Raum die Perspektive zu ändern und alles Gesprochene in den digitalen Raum zu übertragen.

Der hier wohl wichtigste Unterschied zu einem reinen Livestream besteht in der Wahl der Software. Da die Videokonferenzlösung für kommunikative Prozesse konzipiert ist, besteht für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich selbst per Video und Audio in die Veranstaltung einzuschalten. Auf diesem Weg werden die passiven Zuschauer*innen zu aktiven Teilnehmer*innen vor Ort. Wurden im Rahmen der Veranstaltung kleinere Talkrunden abgehalten, konnten die Gesprächspartner, die für die gesamte offline-Gruppe über die Leinwand zu sehen waren, über ein Tablet auf einem Ständer mit in den Gesprächskreis integriert werden.

Das kommunikative Setting der Vor-Ort Veranstaltungen

Technik ist natürlich das Eine, wichtig für eine gelungene Hybridveranstaltung ist aber auch die Form der Moderation und der Gesprächsgestaltung. Wichtig ist – und das wissen wir bereits aus analogen Kommunikationsprozessen – der Blickkontakt zum Gesprächspartner. Über das auf einem Ständer montierte Tablet hatte der Moderator jederzeit die Online-Teilnehmenden – in diesem Fall den Referenten – als direkten Gesprächsparten gegenüber. Dieser sah in seiner Software je nach Wunsch die PTZ-Kamera, die vor Ort die Teilnehmer*innen aufnahm, die Kamera des Tablets für den Blickkontakt mit dem Moderator oder die anderen Online-Teilnehmer*innen.

Über die Funkmikrofone konnten nun die Personen vor Ort mit den Online-Teilnehmer*innen kommunizieren. Interessant war bei allen Veranstaltungen zu beobachten, dass im Gespräch vor Ort die Mimik und Gestik in Richtung der Leinwand gerichtet war, auf der die Gesprächspartner abgelichtet wurden – ganz so, als ob diese dort live stehen würden.

Die Qualität der Technik bei den Vor-Ort Veranstaltungen

In der Auswertung der Veranstaltung und in persönlichen Gesprächen wurden von den Teilnehmer*innen vor Ort die Authentizität und die Natürlichkeit der Gespräche bestätigt. Die hohe Qualität der Kamera und die der Audio-Übertragung sorgten dafür, dass ein natürliches Kommunikationserlebnis geboten wurde, welches sehr nah an einer ortsgebundenen Unterhaltung dran war. Von einer Teilnehmerin wurde das Bild geprägt, dass die Leinwand lediglich ein Fenster in einen anderen Raum darstellen würde, in dem sich die Gesprächspartner*innen aufhalten würden.

Hybrides Setting in der Webinarphase

Hybridveranstaltung bedeutet allerdings nicht nur die Öffnung analoger Räume in die digitale Welt, auch andersrum ist eine solche Form der Partizipation möglich. Bei einigen Webinaren wurden von Mitarbeitenden der Projektregionen in den Gemeindehäusern ein Setting mit einer herkömmlichen Webcam und einem Mikrofon aufgebaut, die es einer Gruppe vor Ort ermöglicht hat, gemeinsam an einem Webinar teilzunehmen.

Während in der Mitte der oberen Reihe zwei Referenten von einem gemeinsamen Ort sprechen, sind 5 Personen mit Video und 13 Personen unsichtbar ohne Video zugeschaltet. Das Bild unten in der Mitte zeigt das Seniorenreferat der evangelischen Kirche Kassel, wo 16 Personen als Gruppe teilgenommen haben.

Flexibilität ist gefragt

Digitale Medien und Tools bieten uns heute sehr viele Möglichkeiten, räumliche und zeitliche Barrieren zu überwinden und eine neue und besondere Form der Teilhabe anzubieten. Viele Ideen und Formate sind durchaus übertragbar, sollte man sich vor der Planung die wichtige Frage stellen, welche Ziele überhaupt verfolgt werden sollen. Experimentierfreudigkeit ist gefragt, Mut, etwas Neues anzufangen und auszuprobieren.

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